4. Kapitel: Feigen zum Frühstück
In der Arche. Morgens.
In dem Moment, wo Hugost aus der Tür in den Innenhof tritt, weiß er dass es heute Ohrfeigen regnen wird. Er hat einen Riecher für sowas. Denn wie alle in der Arche ist auch Hugost ein Mutant. Allerdings zeigt sich das bei ihm nicht äußerlich. Er sieht nicht aus wie einer dieser voll-mutierten Freaks mit fünf Augen und drei Arschbacken - no Sir! Er ist Hugost. Normtyp. Zwei Augen, zwei Arschbacken. Dass er 130 Kilo wiegt und selbst sein Bizeps einen Bizeps hat, ignoriert er bei dieser Selbsteinschätzung. Sein Riecher, wie er ihn nennt, ist ein extrem ausgeprägtes Olfaktorisches Organ (Das ist der Geruchssinn). Wenn Hugost also morgens die Luft schnuppert und spürt, dass es heute Ohrfeigen regnen wird, dann ist das auch so.
In dem Moment, wo Hugost aus der Tür in den Innenhof tritt, weiß er dass es heute Ohrfeigen regnen wird. Er hat einen Riecher für sowas. Denn wie alle in der Arche ist auch Hugost ein Mutant. Allerdings zeigt sich das bei ihm nicht äußerlich. Er sieht nicht aus wie einer dieser voll-mutierten Freaks mit fünf Augen und drei Arschbacken - no Sir! Er ist Hugost. Normtyp. Zwei Augen, zwei Arschbacken. Dass er 130 Kilo wiegt und selbst sein Bizeps einen Bizeps hat, ignoriert er bei dieser Selbsteinschätzung. Sein Riecher, wie er ihn nennt, ist ein extrem ausgeprägtes Olfaktorisches Organ (Das ist der Geruchssinn). Wenn Hugost also morgens die Luft schnuppert und spürt, dass es heute Ohrfeigen regnen wird, dann ist das auch so.
Das erste Set Ohrfeigen erteilt Hugost keine zwei Minuten später in der Wasserschlange. Er hat sich gerade ordnungsgemäß ans Kopfende der Schlange gestellt, als er angetippt wird. Angetippt! Als wäre er eine stehengebliebene Uhr oder so. Hugost dreht sich also um und blickt auf den hässlichsten Mutanten der ganzen Arche hinab. Und Hugost lebt hier schon ne Weile, hat einiges gesehen, manches wird er nie wieder vergessen, aber der Typ der jetzt vor ihm steht hat tatsächlich Hoden am Kinn. Keine kleinen, süßen Eier, wie die von Hasso-Harald, sondern ball-große Klöten. Und - bei allen Apokalyptischen Reitern - die Dinger stinken vielleicht.
Hugost ist so auf die Klöten fixiert, dass er erst einmal gar nicht mitbekommt, was das Gesicht hinter den Hoden sagt.
>>Gedrängelt wird nicht!<<, versteht Hugost also erst beim zweiten Mal. Dann reagiert er aber prompt und klatscht dem Kinnsack eine. Schön mit der Rückhand, wie er es gelernt hat.
>>Das ist Wasser für Boss Nelma!<<, donnert Hugost, erstaunt über seine eigene Reaktion. Denn normalerweise bleibt er ruhig und sachlich wenn er Schellen verteilt. Aber der Hoden-Gestank macht ihn ganz krank.
>>Hey. No violence brother!<<, sagt der Typ hinter dem Sackgesicht - ein langer dünner Strich in der Landschaft, der trotz der scheiß Kälte mit nacktem Oberkörper rumrennt.
No vio-was?, denkt Hugost. Egal! BÄM! Schelle Nummer Zwei für den Spargeltarzan.
>>Wasser für Boss Nelma!<<, brüllt Hugost, bewusst, dass er sich gerade wiederholt. Nicht gut für die Autorität. Wenn nur dieser Gestank nachlassen würde.
>>Beruhigt euch mal alle!<<, sagt ein Dritter, so ein Typ mit Köter.
Das hätte ich mal sagen sollen, denkt sich Hugost. Stattdessen würgt er ein weiteres "Wasser für Boss Nelma" hervor. Das Klötengesicht, der Spargel und der Hundesitter starren ihn nur an und Hugost wird ganz unwohl. Vielleicht sollte er All-In gehen und alle roundhouse feigen?!
Stattdessen dreht er sich um, greift sich seine Ration und stampft davon bevor ihm das Kotzen kommt. Was ein scheiß Morgen!
Auf dem Weg zurück kommt Hugost am Tor vorbei, wo just in dem Moment eine Gruppe Expeditionäre eintrifft. Die Ration Wasser unterm Arm feigt sich Hugost mit der Rechten einen Weg durch die Gaffer. Von den vier Expeds sind nur noch zwei übrig. Alfa und Pitbull. Pitbull ist leblos und Alfa redet Quatsch. Hugost klatscht Alfa, damit hier mal Ruhe ist und bringt beide zu Boss Nelma. Langsam tut ihm der Arm weh von der ganzen Feigerei.
Bei Nelma kann Hugost erst mal entspannt in der Ecke stehen und die Stimmung aufsaugen. So langsam kommt auch sein Riecher wieder zurück. Nelma bellt Befehle und dünstet ihren vertrauten Testosteron/Schweiß-Cocktail aus. Alles gut. Die Speichellecker in der zweiten Reihe stehen mit harten Mienen in einer sauren Wolke Angstschweiß. Wem wollen die was vormachen? Und Anni das Luder ist wiedermal geil wie Schifferscheiße. Und ihrem Blick nach zu urteilen weiß sie auch dass er es weiß. Hugost spürt wie sein Schwanz hart wird. Er weiß dass sie mit ihm spielt. Anni bumst nur mit Nelma. "Eines Tages, Annie, eines Tages...", denkt Hugost und jetzt kann er seine eigene Erregtheit riechen - eine Cocktail aus Testosteron, Wixe und irgendwas anderem. Annie blitzt kurz zu Nelma rüber, versichert sich dass der Boss beschäftigt ist und leckt sich dann aufreißend über die Lippen. Hugost ist kurz davor in die Hose zu schießen. "Du geile Sau, warte ab bis ich..."
"Hey!", brüllt Nelma und Hugost bemerkt zu spät, dass er gemeint ist.
"Was!"
"Was! Was! Was! Was! Was! Was! Was!"
"Boss?"
"Geh und mach die Ansage!"
"Die Ansage?"
Nelmas Augen verengen sich zu kleinen Schlitzen. Annie die Schlampe hat ihn reingelegt. Ansage? Was für eine Ansage?
"Ähm. Ähm. Mit Ohrfeigen?", stammelt Hugost.
Im Raum wird es totenstill. Hugost steht da während Nelmas Blick ihn durchbohrt.
Dann bricht der Boss in schallendes Gelächter aus und Hugost nässt sich beinahe ein vor Erleichterung. Einen kurzen beschissenen Moment lang lachen alle. Die Speichellecker, der Dok, die Stiernacken. Und Anni die Schlampe lacht am lautesten.
"Mit Ohrfeigen!", brüllt Nelma. "Warum nicht!" Dann scheuert sie Hugost eine.
"Fünf Rationen für jeden der mir meine Expeds wieder bringt mit Gear", sagt Nelma und nickt in Richtung Balkon.
Zähneknirschend geht Hugost zum Balkon. Anni würdigt er keines Blickes. Mittlerweile hat er auch keinen Ständer mehr.
"Eh! Herhören!", brüllt Hugost in den Innenhof. "Da draußen sind noch zwei Expeds. Boss Nelmas Expeds! Boss Nelmas Expeds, ausgerüstet mit Boss Nelmas Gear" Hugost wartet bis die Schwachköpfe das geschnallt haben. Dann fährt er fort. "Boss Nelma will sie wiederhaben. Fünf Rationen. Fünf Rationen Belohnung für jeden Exped mit Gear. Garantiert! Kein Gear. Keine Belohnung"
Hugost will schon wieder abtreten da entdeckt er das Sackgesicht in der Menge. Er steht zusammen mit dem Spargel und dem Kötermann. Hugost erinnert sich an die Wasserschlange und wie der Bastard seinen Riecher regelrecht zerstört hat mit diesem ekelhaften Gestank. Die Erinnerung zwingt ihn den Hodensack neu zu beurteilen. Und ihm wird bewusst, dass der Typ ihm ernsthaft gefährlich werden kann. Gefährlicher vermutlich als jeder andere Mutant in der Arche. Zeit etwas dagegen zu unternehmen, murmelt Hugost und tritt vom Balkon.
Wieder im Hof marschiert Hugost schnurstracks auf die drei zu. Sie bemerken ihn erst als er direkt vor ihnen steht und kucken dementsprechend dumm. Ein guter Start.
"Boss Nelma will euch sehen!", lügt er und gibt jedem den bösen Blick.
"Was? Wozu?", fragt der Kötermann.
"Das erfahrt ihr dann!", erwidert Hugost und fixiert das Klötengesicht. Hugost sieht wie der Stinksack zuerst ihn und dann die Stofffetzen anschaut, die sich Hugost in die Nase gesteckt hat. Hugost kann den Hoden zwar noch riechen aber wenigstens bekommt er jetzt keinen Kotzreiz mehr. Er ist mächtig stolz auf seinen Einfall.
"Rugby?", hört Hugost den Spargel fragen.
Der Hodensack nickt und geht voraus.
Rugby. So heißt er also, denkt Hugost und läuft hinterher.
Als Hugost die drei Wichte in den großen Saal schubst, vor die Füße von Nelmas Boss-Sessel und Nelma, umringt von ihren Stiernacken auf die Drei runter schaut als wären sie Würmer, weiß Hugost dass ein Plan aufgehen wird.
Dann herrscht Stille. Die Wichte warten auf Nelma. Nelma wartet auf die Wichte. Und Hugost feiert.
"Also? Warum erzählt ihr mir nicht was zum Teufel ihr wollt! Hugost was soll das hier? Und was hast du da in der Nase?"
"Stoff Boss. Der Hoden stinkt" Gelächter ertönt. Selbst Nelma grinst. "Die drei wollen die Belohnung", fährt Hugost fort.
Die entgeisterten Blicke der Drei sind unbezahlbar.
Nelma nickt nachdenklich. "Na dann: Fünf Rationen pro Exped oder Exped-Gear. Bezahlt wird bei Lieferung"
"Ähm. Einen Moment. Boss", sagt der Spargel und die drei fangen an zu flüstern wie kleine Kinder.
"Was ist dass denn jetzt?", sagt Nelma. "Hugost was schleppst du hier an?"
"Zonenschweine. Boss.", sagt Hugost.
"Zonenschweine?! Das ich nicht lache. Hey!"
"Wir brauchen Krin. Boss", sagt der Spargel. "Alleine schaffen wir das nicht. Wir brauchen Krin den Stalker"
"Ich weiß wer Krin ist", bellt Nelma. "Krin ist einer der vermissten Expeds. Wenn ich ihn hätte bräuchte ich euch nicht. Und ich würde wohl kaum eine Belohnung für ihn zahlen oder?"
Gelächter.
"Dann ihn", sagt der Spargel und zeigt auf Hugost. Dem wird schlagartig ganz anders. Er hat nicht das geringste Interesse diese drei Wichte bei der Kamikaze zu unterstützen.
"Hugost?!", sagt Nelma.
"Das ist ein Vier-Mann-Job", sagt der Spargel. "Wir brauchen noch Muskelkraft. Boss"
Nelma scheint tatsächlich darüber nachzudenken. Scheiße! "Boss. Ich..."
"Schnautze Hugost!", bellt Nelma.
Hugost schenkt dem Spargel einen vernichtenden Blick. Der schluckt und schaut weg. Feigling.
"Nein", sagt Nelma schließlich. "Hugost bleibt hier. Ihr müsst ohne ihn klarkommen. Zonenschweine"
"Dann eine Waffe!", sagt der Hoden. "Was immer die Expeds fertig gemacht hat ist..."
"Tot oder verwundet!", fällt ihm Nelma ins Wort. "Leichte Beute. Ich gebe euch einen Ballermann aus dem Resthaufen. Häx!"
"Was soll's sein?", fragt Häx der Waffenmeister.
"Ein Gewehr", sagt der Hoden. Rugby, denkt Hugost, sein Name ist Rugby.
Häx zieht eine alte Flinte aus dem Haufen und wirft sie Rugby zu. Der fängt und inspiziert die Waffe mit geübten Händen. Hugost hofft dass ihm das Schrotteil in der Hand explodiert.
"Was ist mit den Überlebenden? Können wir sie befragen?", fragt der Spargel.
Nelma überlegt kurz und nickt dann. "Ihr habt fünf Minuten. Hugost!"
Hugost führt die drei ins Nebenzimmer. Die Luft hier ist eine dunkle Melange aus Blut und Tot. In der Ecke sind zwei Sklaven beschäftigt die Leiche von Pitbull zu verwerten. Alfa der Idiot hat ihn zurück in die Arche geschleppt obwohl er schon tot war. Alfa selbst liegt abseits auf einem schmutzigen Holztisch und brabbelt vor sich hin.
"Dann tut mal befragen", lacht Hugost. Doch die Drei sind schon am Tisch und reden, über den irren Alfa gebeugt, miteinander. Hugost lehnt sich an die Wand und pult sich in den Zähnen. Als er sieht dass der Spargel seine Hand auf Alfas Kopf legt brüllt er: "Flossen weg! Ihr fragt - sonst nichts!" Dabei ist es ihm scheißegal ob der Spargel Alfa die Hand auflegt oder ihm einen bläßt, aber Respekt schadet nicht.
Hugost löst sich von der Wand und spaziert um den Tisch herum, wobei er besonders darauf achtet alle anzurempeln. Dann beugt er sich über Alfas Gesicht und brüllt. "Hallo aufstehen!" Er lacht. "Alfa! Freunde sind da! Aufwachen!".
"Hugost, du dämlicher Haufen Gekkoscheiße, halt die Fresse!", tönt es aus dem Hauptraum.
Hugost erschrickt, hat sich aber gleich wieder unter Kontrolle. "Pah!", sagt er mit einer wegwerfenden Handbewegung und wendet sich ab.
Die Sklaven am Nebentisch stehen mit den Rücken zu ihm - keine gute Idee. Hugost macht einen schnellen Schritt und nimmt beide in den Schwitzkasten. Er grunzt verspielt und drückt ihre Köpfe an seinen, als wären sie gute alte Kumpels. Die Sklaven ächzen, sagen aber kein Wort. Dann tastet er sie auf versteckte Gegenstände ab. Als er nichts findet lässt er sie los und inspiziert Pitbulls nackten Leichnam. Der sieht übel aus. Überall klaffende Wunden und Blutergüsse. Sein rechter Arm ist gebrochen. Ein Ruinenbär, vermutet Hugost oder eine Bitterbestie.
Neben Pitbull liegen seine wenigen Habseligkeiten: Eine verbeulte Trinkflasche aus Blech. Eine rostige Stichwaffe mit einem Wickelgriff. Ein kleiner Stoffbeutel mit geschnitzten Spielsteinen. Ein dickes, blutbeflecktes Tuch. Eine glänzende Münze und eine verdreckte Brille. Hugost nimmt sich die Münze, blickt die zwei Sklaven an und legt den Finger auf die Lippen.
Dann dringen die leisen Stimmen der drei Wichtigtuer zu ihm durch und Hugost donnert seine Pranken auf den Tisch. "Genug Fragerei! Die Zeit ist um!", brüllt er und dreht sich um. Einen Moment lang sieht es so aus als will Rugby widersprechen. Hugost spürt die Spannung in der Luft und spannt seine Muskeln an. Rugby zu verprügeln wäre wunderbar. Doch Rugby dreht sich um und marschiert aus dem Raum, gefolgt von den anderen zwei.
"Hat er was gesagt?", fragt Nelma als sie wieder im Hauptsaal sind.
"Nichts Boss. Alfa ist kaputt", sagt Hugost.
"Ich frage nicht dich Schwachkopf", zischt Nelma.
"Er hat von einer Maschine erzählt die ihn in an einem Ort namens Wall oder Mall überrascht hat", sagt der Spargel.
"Hm", sagt Nelma und blitzt zu Hugost hinüber. Der will was sagen, weiß aber nicht was.
"Noch was?"
"Die Maschine ist stark mit Armen aus Metall", fährt Rugby fort.
"Eine Maschine aus Metall hat drei meiner Männer besiegt", sagt Nelma mehr zu sich selbst als zu jemand bestimmten. Dann steht sie auf und blickt in die Menge. "Alfa und die Anderen waren leichtsinnig. Sie haben sich überraschen lassen. Sie haben eine Maschine übersehen. Übersehen! Als wäre sie klein und leise. Aber die Zone hat sie bestraft für ihren Leichtsinn"
Hugost nickt eifrig.
Nelma wendet sich an die drei Neulinge. "Unser Deal steht. Fünf Rationen für jeden Exped mit Gear. Aber die Maschine gehört mir! Was auch immer da draußen passiert ist, niemand tötet Nelmas Männer und lebt"
Hugost ist so auf die Klöten fixiert, dass er erst einmal gar nicht mitbekommt, was das Gesicht hinter den Hoden sagt.
>>Gedrängelt wird nicht!<<, versteht Hugost also erst beim zweiten Mal. Dann reagiert er aber prompt und klatscht dem Kinnsack eine. Schön mit der Rückhand, wie er es gelernt hat.
>>Das ist Wasser für Boss Nelma!<<, donnert Hugost, erstaunt über seine eigene Reaktion. Denn normalerweise bleibt er ruhig und sachlich wenn er Schellen verteilt. Aber der Hoden-Gestank macht ihn ganz krank.
>>Hey. No violence brother!<<, sagt der Typ hinter dem Sackgesicht - ein langer dünner Strich in der Landschaft, der trotz der scheiß Kälte mit nacktem Oberkörper rumrennt.
No vio-was?, denkt Hugost. Egal! BÄM! Schelle Nummer Zwei für den Spargeltarzan.
>>Wasser für Boss Nelma!<<, brüllt Hugost, bewusst, dass er sich gerade wiederholt. Nicht gut für die Autorität. Wenn nur dieser Gestank nachlassen würde.
>>Beruhigt euch mal alle!<<, sagt ein Dritter, so ein Typ mit Köter.
Das hätte ich mal sagen sollen, denkt sich Hugost. Stattdessen würgt er ein weiteres "Wasser für Boss Nelma" hervor. Das Klötengesicht, der Spargel und der Hundesitter starren ihn nur an und Hugost wird ganz unwohl. Vielleicht sollte er All-In gehen und alle roundhouse feigen?!
Stattdessen dreht er sich um, greift sich seine Ration und stampft davon bevor ihm das Kotzen kommt. Was ein scheiß Morgen!
Auf dem Weg zurück kommt Hugost am Tor vorbei, wo just in dem Moment eine Gruppe Expeditionäre eintrifft. Die Ration Wasser unterm Arm feigt sich Hugost mit der Rechten einen Weg durch die Gaffer. Von den vier Expeds sind nur noch zwei übrig. Alfa und Pitbull. Pitbull ist leblos und Alfa redet Quatsch. Hugost klatscht Alfa, damit hier mal Ruhe ist und bringt beide zu Boss Nelma. Langsam tut ihm der Arm weh von der ganzen Feigerei.
Bei Nelma kann Hugost erst mal entspannt in der Ecke stehen und die Stimmung aufsaugen. So langsam kommt auch sein Riecher wieder zurück. Nelma bellt Befehle und dünstet ihren vertrauten Testosteron/Schweiß-Cocktail aus. Alles gut. Die Speichellecker in der zweiten Reihe stehen mit harten Mienen in einer sauren Wolke Angstschweiß. Wem wollen die was vormachen? Und Anni das Luder ist wiedermal geil wie Schifferscheiße. Und ihrem Blick nach zu urteilen weiß sie auch dass er es weiß. Hugost spürt wie sein Schwanz hart wird. Er weiß dass sie mit ihm spielt. Anni bumst nur mit Nelma. "Eines Tages, Annie, eines Tages...", denkt Hugost und jetzt kann er seine eigene Erregtheit riechen - eine Cocktail aus Testosteron, Wixe und irgendwas anderem. Annie blitzt kurz zu Nelma rüber, versichert sich dass der Boss beschäftigt ist und leckt sich dann aufreißend über die Lippen. Hugost ist kurz davor in die Hose zu schießen. "Du geile Sau, warte ab bis ich..."
"Hey!", brüllt Nelma und Hugost bemerkt zu spät, dass er gemeint ist.
"Was!"
"Was! Was! Was! Was! Was! Was! Was!"
"Boss?"
"Geh und mach die Ansage!"
"Die Ansage?"
Nelmas Augen verengen sich zu kleinen Schlitzen. Annie die Schlampe hat ihn reingelegt. Ansage? Was für eine Ansage?
"Ähm. Ähm. Mit Ohrfeigen?", stammelt Hugost.
Im Raum wird es totenstill. Hugost steht da während Nelmas Blick ihn durchbohrt.
Dann bricht der Boss in schallendes Gelächter aus und Hugost nässt sich beinahe ein vor Erleichterung. Einen kurzen beschissenen Moment lang lachen alle. Die Speichellecker, der Dok, die Stiernacken. Und Anni die Schlampe lacht am lautesten.
"Mit Ohrfeigen!", brüllt Nelma. "Warum nicht!" Dann scheuert sie Hugost eine.
"Fünf Rationen für jeden der mir meine Expeds wieder bringt mit Gear", sagt Nelma und nickt in Richtung Balkon.
Zähneknirschend geht Hugost zum Balkon. Anni würdigt er keines Blickes. Mittlerweile hat er auch keinen Ständer mehr.
"Eh! Herhören!", brüllt Hugost in den Innenhof. "Da draußen sind noch zwei Expeds. Boss Nelmas Expeds! Boss Nelmas Expeds, ausgerüstet mit Boss Nelmas Gear" Hugost wartet bis die Schwachköpfe das geschnallt haben. Dann fährt er fort. "Boss Nelma will sie wiederhaben. Fünf Rationen. Fünf Rationen Belohnung für jeden Exped mit Gear. Garantiert! Kein Gear. Keine Belohnung"
Hugost will schon wieder abtreten da entdeckt er das Sackgesicht in der Menge. Er steht zusammen mit dem Spargel und dem Kötermann. Hugost erinnert sich an die Wasserschlange und wie der Bastard seinen Riecher regelrecht zerstört hat mit diesem ekelhaften Gestank. Die Erinnerung zwingt ihn den Hodensack neu zu beurteilen. Und ihm wird bewusst, dass der Typ ihm ernsthaft gefährlich werden kann. Gefährlicher vermutlich als jeder andere Mutant in der Arche. Zeit etwas dagegen zu unternehmen, murmelt Hugost und tritt vom Balkon.
Wieder im Hof marschiert Hugost schnurstracks auf die drei zu. Sie bemerken ihn erst als er direkt vor ihnen steht und kucken dementsprechend dumm. Ein guter Start.
"Boss Nelma will euch sehen!", lügt er und gibt jedem den bösen Blick.
"Was? Wozu?", fragt der Kötermann.
"Das erfahrt ihr dann!", erwidert Hugost und fixiert das Klötengesicht. Hugost sieht wie der Stinksack zuerst ihn und dann die Stofffetzen anschaut, die sich Hugost in die Nase gesteckt hat. Hugost kann den Hoden zwar noch riechen aber wenigstens bekommt er jetzt keinen Kotzreiz mehr. Er ist mächtig stolz auf seinen Einfall.
"Rugby?", hört Hugost den Spargel fragen.
Der Hodensack nickt und geht voraus.
Rugby. So heißt er also, denkt Hugost und läuft hinterher.
Als Hugost die drei Wichte in den großen Saal schubst, vor die Füße von Nelmas Boss-Sessel und Nelma, umringt von ihren Stiernacken auf die Drei runter schaut als wären sie Würmer, weiß Hugost dass ein Plan aufgehen wird.
Dann herrscht Stille. Die Wichte warten auf Nelma. Nelma wartet auf die Wichte. Und Hugost feiert.
"Also? Warum erzählt ihr mir nicht was zum Teufel ihr wollt! Hugost was soll das hier? Und was hast du da in der Nase?"
"Stoff Boss. Der Hoden stinkt" Gelächter ertönt. Selbst Nelma grinst. "Die drei wollen die Belohnung", fährt Hugost fort.
Die entgeisterten Blicke der Drei sind unbezahlbar.
Nelma nickt nachdenklich. "Na dann: Fünf Rationen pro Exped oder Exped-Gear. Bezahlt wird bei Lieferung"
"Ähm. Einen Moment. Boss", sagt der Spargel und die drei fangen an zu flüstern wie kleine Kinder.
"Was ist dass denn jetzt?", sagt Nelma. "Hugost was schleppst du hier an?"
"Zonenschweine. Boss.", sagt Hugost.
"Zonenschweine?! Das ich nicht lache. Hey!"
"Wir brauchen Krin. Boss", sagt der Spargel. "Alleine schaffen wir das nicht. Wir brauchen Krin den Stalker"
"Ich weiß wer Krin ist", bellt Nelma. "Krin ist einer der vermissten Expeds. Wenn ich ihn hätte bräuchte ich euch nicht. Und ich würde wohl kaum eine Belohnung für ihn zahlen oder?"
Gelächter.
"Dann ihn", sagt der Spargel und zeigt auf Hugost. Dem wird schlagartig ganz anders. Er hat nicht das geringste Interesse diese drei Wichte bei der Kamikaze zu unterstützen.
"Hugost?!", sagt Nelma.
"Das ist ein Vier-Mann-Job", sagt der Spargel. "Wir brauchen noch Muskelkraft. Boss"
Nelma scheint tatsächlich darüber nachzudenken. Scheiße! "Boss. Ich..."
"Schnautze Hugost!", bellt Nelma.
Hugost schenkt dem Spargel einen vernichtenden Blick. Der schluckt und schaut weg. Feigling.
"Nein", sagt Nelma schließlich. "Hugost bleibt hier. Ihr müsst ohne ihn klarkommen. Zonenschweine"
"Dann eine Waffe!", sagt der Hoden. "Was immer die Expeds fertig gemacht hat ist..."
"Tot oder verwundet!", fällt ihm Nelma ins Wort. "Leichte Beute. Ich gebe euch einen Ballermann aus dem Resthaufen. Häx!"
"Was soll's sein?", fragt Häx der Waffenmeister.
"Ein Gewehr", sagt der Hoden. Rugby, denkt Hugost, sein Name ist Rugby.
Häx zieht eine alte Flinte aus dem Haufen und wirft sie Rugby zu. Der fängt und inspiziert die Waffe mit geübten Händen. Hugost hofft dass ihm das Schrotteil in der Hand explodiert.
"Was ist mit den Überlebenden? Können wir sie befragen?", fragt der Spargel.
Nelma überlegt kurz und nickt dann. "Ihr habt fünf Minuten. Hugost!"
Hugost führt die drei ins Nebenzimmer. Die Luft hier ist eine dunkle Melange aus Blut und Tot. In der Ecke sind zwei Sklaven beschäftigt die Leiche von Pitbull zu verwerten. Alfa der Idiot hat ihn zurück in die Arche geschleppt obwohl er schon tot war. Alfa selbst liegt abseits auf einem schmutzigen Holztisch und brabbelt vor sich hin.
"Dann tut mal befragen", lacht Hugost. Doch die Drei sind schon am Tisch und reden, über den irren Alfa gebeugt, miteinander. Hugost lehnt sich an die Wand und pult sich in den Zähnen. Als er sieht dass der Spargel seine Hand auf Alfas Kopf legt brüllt er: "Flossen weg! Ihr fragt - sonst nichts!" Dabei ist es ihm scheißegal ob der Spargel Alfa die Hand auflegt oder ihm einen bläßt, aber Respekt schadet nicht.
Hugost löst sich von der Wand und spaziert um den Tisch herum, wobei er besonders darauf achtet alle anzurempeln. Dann beugt er sich über Alfas Gesicht und brüllt. "Hallo aufstehen!" Er lacht. "Alfa! Freunde sind da! Aufwachen!".
"Hugost, du dämlicher Haufen Gekkoscheiße, halt die Fresse!", tönt es aus dem Hauptraum.
Hugost erschrickt, hat sich aber gleich wieder unter Kontrolle. "Pah!", sagt er mit einer wegwerfenden Handbewegung und wendet sich ab.
Die Sklaven am Nebentisch stehen mit den Rücken zu ihm - keine gute Idee. Hugost macht einen schnellen Schritt und nimmt beide in den Schwitzkasten. Er grunzt verspielt und drückt ihre Köpfe an seinen, als wären sie gute alte Kumpels. Die Sklaven ächzen, sagen aber kein Wort. Dann tastet er sie auf versteckte Gegenstände ab. Als er nichts findet lässt er sie los und inspiziert Pitbulls nackten Leichnam. Der sieht übel aus. Überall klaffende Wunden und Blutergüsse. Sein rechter Arm ist gebrochen. Ein Ruinenbär, vermutet Hugost oder eine Bitterbestie.
Neben Pitbull liegen seine wenigen Habseligkeiten: Eine verbeulte Trinkflasche aus Blech. Eine rostige Stichwaffe mit einem Wickelgriff. Ein kleiner Stoffbeutel mit geschnitzten Spielsteinen. Ein dickes, blutbeflecktes Tuch. Eine glänzende Münze und eine verdreckte Brille. Hugost nimmt sich die Münze, blickt die zwei Sklaven an und legt den Finger auf die Lippen.
Dann dringen die leisen Stimmen der drei Wichtigtuer zu ihm durch und Hugost donnert seine Pranken auf den Tisch. "Genug Fragerei! Die Zeit ist um!", brüllt er und dreht sich um. Einen Moment lang sieht es so aus als will Rugby widersprechen. Hugost spürt die Spannung in der Luft und spannt seine Muskeln an. Rugby zu verprügeln wäre wunderbar. Doch Rugby dreht sich um und marschiert aus dem Raum, gefolgt von den anderen zwei.
"Hat er was gesagt?", fragt Nelma als sie wieder im Hauptsaal sind.
"Nichts Boss. Alfa ist kaputt", sagt Hugost.
"Ich frage nicht dich Schwachkopf", zischt Nelma.
"Er hat von einer Maschine erzählt die ihn in an einem Ort namens Wall oder Mall überrascht hat", sagt der Spargel.
"Hm", sagt Nelma und blitzt zu Hugost hinüber. Der will was sagen, weiß aber nicht was.
"Noch was?"
"Die Maschine ist stark mit Armen aus Metall", fährt Rugby fort.
"Eine Maschine aus Metall hat drei meiner Männer besiegt", sagt Nelma mehr zu sich selbst als zu jemand bestimmten. Dann steht sie auf und blickt in die Menge. "Alfa und die Anderen waren leichtsinnig. Sie haben sich überraschen lassen. Sie haben eine Maschine übersehen. Übersehen! Als wäre sie klein und leise. Aber die Zone hat sie bestraft für ihren Leichtsinn"
Hugost nickt eifrig.
Nelma wendet sich an die drei Neulinge. "Unser Deal steht. Fünf Rationen für jeden Exped mit Gear. Aber die Maschine gehört mir! Was auch immer da draußen passiert ist, niemand tötet Nelmas Männer und lebt"
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